Ein paar Impressionen des Frühlings. Da dürfen Sonnenuntergänge natürlich nicht fehlen…

… genauso wenig wie die omnipräsenten Rehe.

   

Anfangs ließ der Frühling sich Zeit. An Gründonnerstag noch einmal Schnee-Chaos, und einen geplatzten Winterreifen an meiner Karre, nur eine Woche vor dem Termin zum Wechsel auf Sommerreifen.
Da stand ich dann in Gettorf am Straßenrand, gegen 6:15 Uhr und rief den ADAC an. Ich hatte zwar einen Ersatzreifen dabei, auch Wagenheber und Radkreuz, aber leider auch eine Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk. Ich bekam den kaputten Reifen einfach nicht los. Ich müsste ein bisschen warten, hieß es am Telefon. Durch den erneuten Wintereinbruch gäbe es eine Menge gestorbener Batterien und anderer wetterbedingter Probleme… aber ab 8:00 Uhr wären dann ja noch mehr Mechaniker im Einsatz… Ich saß also in der Karre und fror.
Um 7:00 Uhr machte der Autohändler auf der anderen Straßenseite auf. Ich ging dort hin und fragte nach Hilfe, aber dort war man so im Stress („jetzt vor den Feiertagen!“), dass man leider nicht helfen konnte. Also weiter warten. Es wurde kalt in der Karre.
Da klopfte jemand an die Beifahrertür. Ich kurbelte das Fenster herunter. „Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ Der junge Mann hatte den Warnblinker und das Warndreieck gesehen. – „Bei mir schon, bei meinem Auto leider nicht. Hat ’nen Platten.“ – „Haben Sie Werkzeug da? Und ’nen Ersatzreifen? Dann wechsel ich den eben.“ Und er tat es. Keine Ahnung wer das war, ich kannte ihn nicht. Umso dankbarer war ich ihm. Denn so kam ich nun eine Stunde früher als befürchtet zur Arbeit, eine Stunde, in der ich nicht frieren und warten musste.
Als ich mit einer Freundin vor ein paar Jahren in Kenia war um mein Patenkind zu besuchen, hatten wir da auch mal eine Panne. Insgesamt kamen vier Fahrzeuge an uns vorbei, und alle vier hielten an und fragten ob wie Hilfe bräuchten, Werkzeug hätten, noch genug Wasser hätten, oder ob man sonst irgendwie helfen könnte. In Deutschland hält niemand an. Ich hatte früher auf dem Schulweg immer das Gefühl, wenn ich in der U-Bahn einen Herzinfarkt bekomme und sterbend herumliege, dann steigen die Menschen über mich drüber und regen sich darüber auf, dass ich im Weg liege.  Mein Glaube an die Menschheit wurde in Kenia gerettet durch die Selbstverständlichkeit der Menschen dort, mit der sie Hilfe anboten. Mein Glaube an die Menschheit in Deutschland wurde nun von diesem jungen Mann gerettet.

   

Nach und nach bekam der Frühling Kraft. Eine Orga, die am 1. Mai auf meinem Grundstück eigentlich eine Veranstatung geplant hatte, musste sie wegen der nach dem völlig verregneten Herbst, Winter und frühen Frühling durchweichten Böden noch absagen.
Dann aber kam die Sonne.  Sie sollte den ganzen Sommer über bleiben. Vom einen Extrem (zu nass) ging es zum anderen (monatelang kein Regen).

   

Anfangs war der Löschteich noch gut gefüllt. Doch dann trieben die Bäume und Sträucher aus, und die hatten Durst! Als nur noch eine kleine Pfütze im Teich geblieben war, brachten wir die Tiere, die sich in den wenigen verbliebenen Kubikzentimetern tummelten, per Eimer-Taxi in einen tieferen Teich, der noch etwas mehr Wasser hatte.

   

Der Sanddorn blühte und gab einen Vorgeschmack auf die Menge, die man im Sommer ernten können würde. Und auch alle möglichen anderen Pflanzen blühten prächtig.

   

Irgendwelche Tiere mit kleinen Pfötchenabdrücken tummelten sich in der Einfahrt und vom Schlafzimmerfenster aus konnte ich Rehe fotografieren.

   

Nun hatte ich die Wahl: Das Erdbeerbeet jäten und fit für die kommenden Früchte machen, oder für die Abschlussprüfungen lernen? Ich hatte Lust auf Erdbeeren und jätete.

In der letzten standhaften Kleingartenparzelle auf dem (vielleicht / hoffentlich doch nicht) zukünftigen Möbel-Kraft-Gelände in Kiel hatte noch ein von seinem Besitzer sehr geliebter Pflaumenbaum gestanden. Nun waren Bagger durch diesen Garten gepflügt und mit der Baggerschaufel wurde dieser arme Baum umgerissen.
Weil aber Andreas G. seinen Baum wirklich gerne hatte, haben wir versucht ihn zu retten. Er wurde dort also liebevoll aufgenommen, mit möglichst vielen Wurzeln, obwohl er natürlich schon durch den Bagger viele verloren hatte. Ein bisschen zurückgeschnitten haben wir ihn auch. Weniger Wurzeln können nicht mehr die ganze Krone ernähren, und er sollte ja weiterleben, zur Not eben mit weniger Ästen.
Und dann kam er zu mir auf’s Grundstück.

   

Nun hofften wir alle, dass die Verletzungen durch die Baggerschaufel keine bleibenden Schäden (z.B. Pilzinfektionen) hervorrufen würde, und das Bäumchen gut anwachsen möge.
Und es tat uns den Gefallen. (Wenn auch etwas schief.)

   

Blätter, Knospen…
Der Frühling wurde immer heißer und trockener, die Blätter hingen, die Blüten fielen herunter. Eimerweise schleppte ich das Wasser vom Löschteich zum Pflaumenbaum und tat mein bestes. Mit dem nächsten Gehalt kaufte ich dann einen 100 Meter langen Gartenschlauch und legte eine Direktverbindung zum Wasserhahn an der Küchentür. Der Löschteich war inzwischen auch ausgetrocknet.

Die Pflaumenernte war zwar verloren, der Baum aber nicht, der hat auch den heißen Sommer überstanden.

   

Zu einer üblichen Prüfungsvorbereitung gehört natürlich auch gaaaanz viel Ablenkung, und daher gibt es auch ebenso viele Fotos vom Erwachen der Natur. Seien es Zaunkönige im Gestrüpp, oder die Lilien am Löschteich…

   

Ich liebe es einfach, wenn nach so einem verregneten grauen Herbst-Winter die Natur zeigt, was Leben ist.

   

Tatsächlich fielen Stachelbeer- und Erdbeer-Ernte diesmal wirklich gut aus! Für die Nacktschnecken, die mir letztes Jahr jede einzelne Erdbeere weggefuttert haben, die nicht schon die Ziegen gefressen hatten, war es viel zu heiß und trocken. So konnte ich nun jeden Tag wenn ich von der Arbeit kam ein paar Erdbeeren naschen.

    

Rasen mähen fiel erstmal flach. Irgendwann musste ich dann ja doch noch etwas für die Prüfung tun… keine Zeit. So konnten sich auch die Wildkräuter frei entfalten. Rund um die Arena erschien ein unscheinbares, doch wunderschönes Blütenmeer, das auch von Insekten gerne angenommen wurde.

   

   

   

Zwischen diversen Gräsern blühte auch das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), eine Art der Feuchtwiesen. Da dieser Lebensraum leider in den letzten Jahrzehnten immer knapper wurde, wurde auch das Wiesenschaumkraut immer seltener. Es blüht im Frühjahr und schmeckt lecker nach Kresse. Ansonsten ist es ziemlich unscheinbar.

   

   

Sogar in der biologischen Kläranlage blühte es! Die Lilien gaben ihr Bestes. Im „Rasen“ vor dem Schilfbeet gab es dazu noch Nelken zu bestaunen.

   

… und die Wiese wucherte, und wucherte … Einfach mal wachsen lassen!

   

Irgendein komischer Vogel war übrigens der Meinung, dass unsere Kampfarena ein toller und vor allem gut geeigneter Nistplatz sei. Unter der Treppe zum Pöbelpodest gab es Nachwuchs.

   

… und dann kam der Sommer!

   

Noch heißer, noch trockener… Eine Herausforderung an uns Gärtner und eine Entschädigung für die verregneten Monate zuvor!