Wer oder was ist eigentlich diese Zarrâk?

Ganz einfach. Das bin ich.

Und eigentlich heiße ich auch nicht Zarrâk, sondern Annika. Geboren bin ich auf dem Land in Niedersachsen, musste aber leider früh in die Großstadt nach Berlin ziehen, weil es für meine Eltern zu Hause keinen Arbeitsplatz gab. Meine Träume vom Land blieben.

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In der 3. Klasse, das war 1996, sollte ich einmal einen Aufsatz darüber schreiben, wie ich in 20 Jahre lebe. Ich schrieb damals, ich würde auf einem Bauernhof leben, die eigenen Früchte ernten und die eigenen Schafe streicheln. Ich schrieb auch, ich wäre verheiratet und hätte drei Töchter. Über diesen Teil des Aufsatzes kann man streiten, denn tatsächlich ist kein Mann in Sicht und wird auch nicht gesucht, entsprechend gibt es auch keine Kinder. Es sei denn, meine Meerschweinchen zählen. Dann sind es sogar fünf. Der Traum vom eigenen Stück Land, irgendwo außerhalb der Stadt, hat allerdings all die Jahre überdauert.

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2006 schrieb ich mein Abitur und nur sechs Wochen später kehrte ich Berlin den Rücken. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Lütjenburg rief! In Schleswig-Holstein hat es mir dann so gut gefallen, dass ich beschloss zu bleiben.

Meine Liebe zur Natur trieb mich dazu, in Kiel Biologie zu studieren. Heute darf ich mich Biologin nennen, habe jedoch mit fortschreitendem Studium immer mehr gemerkt, dass ich Laborarbeit nicht mag und ich doch viel lieber bei Wind und Wetter draußen sein will.

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Ich bin jetzt 29 Jahre alt und meiner Meinung nach immer noch jung genug, noch einmal etwas Neues anzufangen. Also begann ich 2015 eine Lehre im Gartenbau, Fachrichtung Zierpflanzen.

Ich mag Pflanzen. Meine Bude ist voll damit, mein Garten auch.

Außerdem mag ich Handball, mittlerweile spiele ich seit 20 Jahren im Verein. Fußball spiel ich auch sehr gerne, aber eher unprofessionell. Ich bin kein Profi, kann aber gut dem Ball im Weg stehen. Das tu ich dann als Torwart einigermaßen effizient.

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Ich bin nicht der Typ, der jeden Abend eine Party braucht. Lieber sitze ich irgendwo rum, wo es gemütlich ist (am Strand, im Garten, auf meinem Hochbett) und lese Bücher, am liebsten historische Romane oder Fantasy, aber auch vieles andere.

Das ist Annika.

Und wer oder was ist Zarrâk?

Zarrâk ist ein Charakter, den ich beim Liverollenspiel (LARP) spiele. LARP kann man sich ähnlich wie Spontantheater ohne Zuschauer vorstellen. Oder wie einen selbst gespielten Film, für den es nur ein grobes und ungenaues Drehbuch gibt und alles andere improvisiert wird. Man könnte sich vorstellen, man spielt eine Rolle im Herrn der Ringe. Viele LARPer bespielen mittelalterliche Fantasy-Welten (so wie ich), es gibt aber noch diverse andere Genres.

LARP ist Urlaub in der Natur, im Zelt Wind und Wetter trotzen, die Sonne auf der Haut spüren.

LARP ist Stockbrot am Lagerfeuer und selbstgemachte Musik mit Gesang, Trommeln, Gitarren und diversen anderen, teils historischen Instrumenten.

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LARP kann auch sportlicher Wettkampf in Zweikämpfen oder Schlachten sein. Man bemüht sich, seine Kleidung und Ausrüstung so „echt“ wie möglich zu gestalten, die verwendeten Waffen sind jedoch alle in Wirklichkeit ungefährlich (Glasfaserkern mit Schaumstoff drumherum).

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LARP ist Gemeinschaft, etwas zusammen unternehmen, egal aus welcher sozialen Schicht man kommt oder welcher Herkunft man ist. Man trifft Menschen aus diversen Altersklassen und Berufsgruppen, vom Arbeitslosen zum Staatsanwalt. All diese Menschen können sich in anderen Rollen ausprobieren. Mir sind Räuberhauptmänner untergekommen, die in Wirklichkeit Rechtsanwälte sind und edle Ritter, die im echten Leben von Hartz IV leben.

Die meisten LARPer sind sehr freundliche, hilfsbereite und tolerante Menschen. Wie überall gibt es natürlich auch in dieser Szene Idioten, deren Anzahl ist aber erfreulich gering.

So oder so: Ich finde LARP toll und spiele gerne mal mit. Böse Zungen behaupten manchmal, das wäre Realitätsverlust. Ich behaupte, es ist ein Zugewinn einer weiteren Realität, zusätzlich zu der wirklichen. Einer Realität, die das Selbstbewusstsein und den Lebensgenuss steigern kann. Keiner von uns LARPern hat wirklich die Realität verloren. Wir alle haben ein ganz normales Leben. Nur an ein paar Wochenenden im Jahr legen wir den Alltagsstress ab und machen etwas völlig anderes.

Wir schlüpfen zum Beispiel in die Rolle von Wikingern, was mir den Spitznamen „Iska“ eingebracht hat. Iska war so ein Charakter, den ich jahrelang gespielt habe. Oder wir sind Orks, denn irgendwen muss es ja geben, gegen den die ganzen Helden dann auch kämpfen können. Zarrâk ist so ein Ork.

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Und wenn wir dann nach mehreren Tagen Schietwetter nach Hause kommen, dann wissen wir unsere Waschmaschinen, Duschen und unsere warmen Betten gleich wieder richtig zu schätzen. Wie vielen Deutschen ist die Fähigkeit, sich an den einfachen Dingen zu erfreuen, verloren gegangen? Wie viele wissen gar nicht mehr den Luxus zu schätzen, den wir hierzulande haben und als völlig normal betrachten? LARP erweitert den Horizont.

Nun könnte man natürlich behaupten, ich hätte zu viel Phantasie. Das behaupteten damals die Lehrer, als ich in der dritten Klasse von einem Bauernhof und Schafen schrieb, ich, ein Kind mitten in Berlin. Aber ist Phantasie nicht auch ein wundervoller Antrieb? Jetzt sind 20 Jahre vorbei, und ich habe tatsächlich einen alten Resthof gekauft, die 1,59 ha Land drumherum bieten genug Platz für Schafe. Das Wohnhaus ist Baujahr 1750. Leider vermittelt es auch das Gefühl, seitdem nicht renoviert worden zu sein. Die Reste des Daches sind prähistorisch, es regnet ordentlich rein. Irgendwelche gelangweilten Halbstarken haben zudem Fensterscheiben zerstört. Ein Teil des Landes ist sumpfig. Aber ich habe mich in dieses Stück Land und das alte, urige Wohnhaus verliebt. Und mal ehrlich? Ein Haus, das perfekt in Schuss ist, frisch renoviert und sofort bezugsfertig, hätte ich mir auch gar nicht leisten können. Ich hab den Kauf ja so schon nur mit der Unterstützung diverser lieber Menschen geschafft. Meine eigenen Reserven werden komplett von den nötigen Restaurierungen gefressen werden. Aber es muss ja auch nicht gleich morgen fertig sein.

Und jetzt kommt LARP wieder ins Spiel. In erster Linie will ich auf diesem Hof leben, mein Obst anbauen, meine Schafe streicheln und mit einer guten Freundin abends am Kaminfeuer sitzen und Tee trinken. Aber das Gelände bietet auch viel Potenzial für LARP. Und bei diesem Hobby lernt man ja bekanntlich Leute aus diversen Berufsgruppen kennen, so auch Dachdecker, Zimmerleute, Elektriker und Sanitärfachkräfte. Das vereinfacht diese große Aufgabe enorm. Trotzdem bleiben Kosten für Handwerker, Werkzeuge und Baumaterial.  Da mir über facebook von diversen Leuten eine große Spendenbereitschaft signalisiert wurde, soll diese Seite hier nicht nur um Spenden werben, sondern auch informieren, was mit dem Geld angefangen wurde, das mir für den Hof gegeben wurde.